green belt house, hamburg (wettbewerb) 757476

 

wettbewerb um ein baugruppenprojekt in der hafencity "green belt house" - 2. Preis


leitgedanken green belt house

an die teilfläche nord des block 71 im grünen stadtquartier am lohsepark werden verschiedene anforderungen gestellt, die sich aus dem gesamtkonzept des "green belt houses", der städtebaulichen situation, den unterschiedlichen nutzungsbereichen und den ganz individuellen vorstellung einer baugemeinschaft ergeben.

der entwurf begegnet dieser situation mit einer klaren städtebaulichen haltung, der mehrere gedanken zu grunde lagen:
der konzeptionelle gedanke des "green belt house" muss über den kreis der bewohnerschaft des blocks 71 hinaus deutlich erkennbar nach außen getragen werden. so entstehen einerseits begrünte dachflächen und ein durchgrünter innenhof, andererseits fassadenbegrünungen und technische voraussetzungen für den individuellen beitrag zur begrünung; die städtebauliche lücke zwischen der teilfläche a und c wird als grünes fenster genutzt.
die größe des baukörpers darf nicht zur anonymisierung der bewohnerschaft führen, daher sollen die einzelnen "häuser" trotz einheitlichen gesamtbildes ablesbar bleiben; die maßstäblichkeit der baukörper wird durch eine profilierung der hülle ähnlich den sedimentablagerungen in flüssen erzeugt: feine sedimentschichten bei gleichmäßig fließendem wasser, ähnlich dem straßenverkehr und gröbere strukturen und verwirbelungen bei zonen stärkeren bewuchses wie dem park.
baukörper und fassaden reagieren einerseits auf die gegebene städtebauliche situation und spiegeln andererseits die individuelle vielfalt der bewohnerschaft einer baugemeinschaft wider. daher wird hier mit einer formalen fassadenstruktur gearbeitet, die sich in bestimmtem rahmen den individuellen bedürfnissen der bewohner anpassen lässt, wie z.b. durch den austausch schmalerer gegen breiterer fensterelemente
generationsübergreifende baugemeinschaften erfordern unterschiedliche nutzungsmöglichkeiten; durch eine einfache grundrissstruktur bleiben die variationsmöglichkeiten und die option zuschaltbarer flächen möglichst groß, so dass sich die wohnung bei bedarf flexibel den bedürfnissen anpassen lässt.


städtebau

im baufeld 71 ist das "green belt house" im einklang mit der nachbarbebauung am lohsepark als massive blockrandbebauung vorgesehen. es entsteht ein wohnungsbauprojekt im spannungsfeld zwischen urbanem straßenraum und parklandschaft.

die baukörper der nördlichen teilfläche reagieren auf diese städtebaulichen einflüsse:

die sockelzone ist mit einer höhe von 6,30m dem straßenraum zugewandt und beherbergt 1,5-geschossige sonderfunktionen wie eine kindertagesstätte, arbeitsbereiche, die sich in den innenhof hinein zu wohn-, arbeitsapartments entwickeln und einen gemeinschaftsbereich für die bewohner. dieser bereich ist in der fassade durch einen hohen glasanteil und der großen geschosshöhe klar ablesbar. die eingangselemente werden in die fassadenebene eingestülpt und farbig hervorgehoben; gemäß der aufliegenden wohnriegelfassaden und der logik der verglasungselemente werden die konstruktiven pfeiler teils verklinkert und teils mit blech verkleidet. so bleiben die die einzelnen "häuser" ablesbar.

die südwestliche auskragung des wohnriegels an der yokohamastraße betont die bauliche lücke zwischen den beiden baukörpern yokohamastraße und shanghaialle und verweist auf den begrünten innenhof; von seiten der shanghaiallee schaut man in diesem bereich durch eine schallschutzverglasung auf üppiges grün; die straßenseitige fassade des wohnriegels reagiert auf die lärmbeanspruchung aus shanghaiallee und yokohamastraße, indem die fensterelemente mit entsprechenden prallscheiben versehen werden und flächig in der fassadenebene sitzen; die fensterelemente sind klar strukturiert und gemäß individueller nutzung frei über die fassade verteilt ohne die ablesbarkeit der einzelnen "häuser" zu stören. die rotklinkerfassade erhält eine horizontale profilierung wie die flussbettsande in schnell fließendem wasser; durch diese profilierung lässt sich die maßstäblickeit ablesen, die der kleinteiligen nutzung entspricht.

der wohnriegel am lohsepark verschneidet sich nur baulich mit dem wohnriegel yokohamastraße, optisch löst er sich dagegen deutlich von ihm. im gegensatz zur fein gegliederten rotklinkerfassade des benachbarten gebäuderiegels ist dieser baukörper durch zahlreiche ein- und ausstülpungen gekennzeichnet. durch die gröberen strukturierungen wird hier der „fluss mit seiner fließgeschwindigkeit“ unterbrochen und optisch verlangsamt. das betont die wechselwirkung zwischen umgebender natur und umschlossenem volumen.
hofseitig unterscheiden sich die fassaden aller drei baukörper deutlich von den straßenseitigen fassaden. nach außen durch ihre feste schale geschützt ist, öffnen sie sich zum hof hin geich einer angeschnittenen frucht; eine helle fassade reflektiert das sonnenlicht in den gemeinsamen innenhof, konstruktiv wird eine begrünung von fassadenteilen zur verbesserung des mikroklimas unterstützt; unterschiedlich geschnittene balkone laden zum frischluftbad und zur internen kommunikation ein.

tiefgarageneinfahrt, speisenanlieferung für die kindertagesstätte und der zugang zu fahrradstellplätzen und müllraum sind über die yokohamastraße gut angebunden. der als "shared space" angelegte straßenraum am lohsepark wird somit vom verkehr weitgehend freigehalten.


konstruktion

die sockelzone der baukörper beherbergt unterschiedliche nutzungen mit unterschiedlichen anforderungen an die konstruktion, während die obergeschosse auf grund der homogenen wohnnutzung eine klare konstruktive struktur aufweisen.
dieser situation wird mit einer tischkonstruktion begegnet. stahlbeton-fertigteil-wandscheiben und stützen tragen eine massive stahlbetondecke, die als speichermasse in die energetische betrachtung mit einfließt.
oberhalb dieses tisches werden die baukörper in konventioneller massivbauweise errichtet. die treppenhaus- und versorgungskerne dienen als aussteifende elemente. straßen- und lohseparkseitig wird eine hinterlüftete klinkerfassade vorgehängt. hofseitig wird mit einem mineralischen wärmedämmverbundsystem gearbeitet.
die fensterelemente an der shanghaiallee und an der yokohamastraße werden mit gefärbten glaselementen als absturzsicherung versehen, die gleichzeitig mit einer pegeldifferenz von 25 db(a) schallschutztechnisch zur nachtlüftung herangezogen werden.


nachhaltigkeit

der kompakte baukörper wird in hohem dämmstandard gemäß wk40-förderbedingungen ausgeführt. der laut umweltzeichen „gold der hafencity“ definierte ökologische baustandard wird durchgehend realisiert. es wird eine lüftungsanlage mit wärmerückgewinnung und hausweise zentraler frischluftzufuhr über das dach eingebaut. optimal ausgerichtete photovoltaikanlage auf den gemeinschaftseinrichtungen im bereich der dachlandschaft unterstützen die gesamtenergiebilanz. durch die funktionale verknüpfung von wohnen und arbeiten kann auf lange sicht mobilität reduziert werden.
mittels flexibler grundrisskonzeptionen können sich die wohnungen an die jeweiligen lebenssituationen anpassen.

bearbeitung:
in kooperation mit trapez-architektur